Rundbrief 01/ 2016

Liebe Mitglieder, Freunde und Förderer,

„Tempus fugit“- die Zeit flieht. Schon wieder ist ein halbes Jahr seit meinem letzten Bericht verflossen. Was hat sich nicht alles in dieser dennoch kurzen Zeit ereignet? Wir, von der Vorstandschaft, blieben nicht unbeeindruckt von all dem, gerade was gegenwärtig die Entwicklung in Afrika betrifft. Wir dürfen uns nicht von den düsteren Prognosen lähmen lassen und wollen versuchen in bescheidenem Maße und in unseren Möglichkeiten zu helfen.

So gibt es doch Erfreuliches zu berichten:
Weihbischof Otto Georgens vereinbarte im Februar mit uns, dass wir weiterhin vorläufig bis 2022 eine jährliche Zuweisung von 2.500 Euro für unsere Ausbildungswerkstatt erhalten.

Was hat sich sonst noch getan

Mit dem Innenministerium in Mainz rechneten wir den Zuschuss von 5.000 Euro für die Elektrifizierung unserer Ausbildungswerkstatt, der Bücherei, der Unterkünfte der Lehrlinge und der Krankenstation ab. Die durchgeführten Maßnahmen bedeuten, wie bereits früher erwähnt, einen Quantensprung in der Entwicklung des Dorfes Gbalave .

Nach einem langwierigen und nervenaufreibenden Papiermarathon, der sich letztendlich doch lohnte, erhielten wir aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Berlin 21.800 Euro zum Bau der Mittelschule in Gbalave . Mit dem Bau wurde bereits begonnen. Ca. 8.000 Euro wird der Verein aus Eigenmitteln beisteuern. Auch hier können wir zusätzlich dank zweier Spenden, einmal von einer Geburtstagsfeier und der Spende eines Schulkollegiums aus Landau, Bänke, Tische, Schränke und Stühle von den Lehrlingen in unserem Ausbildungszentrum anfertigen lassen. Der Bau sollte im September/Oktober fertiggestellt sein. Mitte Oktober fliegt wieder eine kleine Delegation, wie immer aus Eigenmitteln, nach Togo zur Einweihung der Schule und Übergabe der Diplome an die Lehrlinge nach erfolgreich abgelegter Prüfung.

Die Arbeit im Ausbildungszentrum geht weiter

Vom Ausbildungszentrum ist zu berichten, dass z.Zt. 6 Schreiner, 26 Maurer, 28 SchneiderInnen, 6 Friseusen und 14 Elektriker ausgebildet werden, davon 47 männliche und 33 weibliche Lehrlinge.
Wie problematisch die Finanzierung des Zentrums für uns ist, erwähnte ich im letzten Rundschreiben. Vieles konnten wir leider nicht ändern, besonders die Bezahlung der Ausbilder. Unser 2.Vorsitzender Dr. Husunu bleibt dennoch am Ball. Als er im Frühjahr in Togo weilte, sprach er mit dem zuständigen Bildungsminister in Lome , ebenso mit weiteren Regierungsvertretern, die unsere Arbeit positiv beurteilen und langfristig evtl. unser Zentrum übernehmen, wobei wir weiterhin als Paten bereitstünden. Dies wird aber noch ein dorniger Weg sein. Wenn es aber mit unserem Zentrum gelänge einen „Minimalbeitrag“ zur Verhinderung der Flucht junger Afrikaner zu leisten, wären wir zufrieden.

Filialleiter von Iffland-hören, Stuttgart helfen in Togo

Große Freude löste in der Vorstandschaft die Nachricht aus, dass durch die Vermittlung unseres 2.Vorsitzenden Dr. Husunu die Fa. Iffland, Hörgeräte, sich bereiterklärte, in Togo zu helfen. Auf eigene Kosten flogen das Ehepaar Konrad, beide Hörgeräteakustikmeister und deren Tochter, sowie H. Peter Eberhardt, Filialleiter aus Stuttgart nach Togo. Geräte im Wert von 50.000 Euro wurden bereits vorab nach Togo ausgeliefert. Standort war das staatliche Krankenhaus in Kpalime im Landesinnern. –Wenn man bedenkt, dass in Togo Hörgeräte unerschwinglich sind, ca. 1.600 Euro und außerdem veraltet, kann man die großherzige Geste der Fa. Iffland nur loben. Die Initiative ging von Frau Konrad aus, die eine Filiale der Firma in Kandel betreibt.
165 Geräte konnten in den zwei Wochen des Aufenthaltes angepasst werden, zusätzlich wurden 84 Ohrabdrücke und Audiogramme angefertigt und nach Deutschland mitgenommen zur Herstellung der Hörgeräte. Welch‘ ein Gefühl muss es für Kinder und Erwachsene gewesen sein, … Taube hören, wieder sich besser verständigen zu können. Von der Firmenleitung wurde signalisiert, dass die Arbeit fortgeführt wird, evtl. Einrichtung von Untersuchungs- und Behandlungsräumen beim Krankenhaus in Kpalime und Ausbildung von zwei einheimischen Togolesen. Wir können den Mitarbeitern nur danken und versuchen sie im Rahmen unserer Möglichkeiten zu unterstützen.

Aus dem Blog von Familie Konrad

-Hier ein Auszug aus dem täglichen Bericht von Frau Konrad:
Donnerstag, 12.Mai
Da um 18 Uhr bereits Sonnenuntergang ist und fast alle Straßen unbeleuchtet sind, arbeiten wir heute von 8-18 Uhr. Wir brauchen pro Kunde ca. eine Stunde Messung (Messung mit Abformung, Ausarbeitern der Abformung und anschließender Anpassung). Die Hälfte der Patienten sind Kinder und Jugendliche. Am Nachmittag hat sich eine deutsche Organisation aus Lomé mit zwei Kindern angekündigt, die Waisenhäuser unterhält. Ein Mädchen ist stark traumatisiert und spricht seit einem Vorfall im Elternhaus nicht mehr- der Junge fängt sofort an zu weinen, sobald man ihn am Kopf anfasst.
…die Temperaturen sind so hoch, dass es kaum auszuhalten ist, oft wegen der Stromausfälle.
Große Resonanz erfuhr der Besuch:
Alle Honorationen der Region kamen: der Präfekt als Vertreter des Staatschefs, der Bischof, Bürgermeister, Häuptlinge der Region, die Vertreter von Polizei und Militär, der Attaché der deutschen Botschaft. In allen Reden wurde auf unser Projekt hingewiesen. Nach der Ausstrahlung im togoischen Fernsehen kamen sogar Patienten aus den Nachbarländern Benin und Ghana.

Ohne Hilfe von außen können wir nicht viel erreichen

Schauen wir auf unseren eigenen finanziellen Rahmen, so mussen wir sagen, dass er sehr eng gestrickt ist. Mit ca. 10.000 Euro Mitgliedsbeiträgen pro Jahr sind wir wie immer auf Unterstützung angewiesen. So unterstützen wir durch gezielte Beiträge Leprakranke, Aidskranke bei den Schwestern der Mutter Theresa, mittellose SchülerInnen, Studentinnen, weiterhin Schulen mit Lehr-und Lernmitteln, z.B. durch den Kooperationspartner die “Lina-Sommer-Grundschule„ in Jockgrim.
Wir sind froh, dass diese Schule nach dem Tode ihres ehemaligen Rektors Gerhard Pfahler die Arbeit weiterführt. Gerhard Pfahler war Gründungsmitglied und in der Vorstandschaft tätig. Viele erinnern sich an die Grußworte, die er bei Geburtstagen im Auftrag des Vereins übermittelte. Vielfältig war er tätig und wir sind ihm dankbar für seine Mithilfe. Zwei Gründungsmitglieder verließen uns ebenfalls: Rektor Alois Lang und Klemens Gebhart, die immer wohlwollend unsere Arbeit begleiteten und unterstützten. Beide starben im Frühjahr 2016.

Bildung und Ausbildung: Schwerpunkt unserer Arbeit

Zum Schluss möchte ich Ihnen ein Beispiel schildern, welches konkret unsere Arbeit widerspiegelt:
Bei einem meiner Besuche in Togo sprach mich eine Lehrerin an, die damals an der Grundschule unterrichtete, ob wir ihr nicht eine kleine finanzielle Unterstützung zukommen lassen könnten. Sie wolle die Grundschule in Gbalave verlassen, um eines Tages zu studieren. Sie bräuchte aber, um am Gymnasium sich einzuschreiben einen Personalausweis, den sie noch nicht hatte. Dies ist oft üblich in Afrika. Bei 20 bis 30 Euro/Monat existieren die Lehrer an den Grundschulen am Existenzminimum.- Nur eine großherzige Spende unseres Mitgliedes und Gründers der „Aktion Togo“ an der ehemaligen Arbeiterbildungsstätte in Jockgrim Pfarrer Franz Krob, ermöglichte eine erhöhte Bezahlung der Lehrer an der Grundschule in Gbalave über Jahre hinweg.
Die Lehrerin verließ die Grundschule, erwarb in kürzester Zeit die Hochschulreife am Gymnasium in Kpalime. Sie studiert nun an der Universität in Lome, unter anderem Germanistik. Zu meinem Geburtstag gratulierte sie mir bereits in Deutsch per Mail.
Zeichen der Hoffnung!


Bleiben Sie mir und uns gewogen

Ihr Siegbert Kemmer

(Vorsitzender)