Rundbrief 02/ 2015

Liebe Mitglieder, Freunde und Förderer,

seien Sie herzlich gegrüßt zum Ende diesen Jahres- einem Jahr, welches an Dramatik wahrlich nicht zu überbieten war. Unser Verein der Togofreunde schien plötzlich „Nebensache“ geworden zu sein, in Wirklichkeit aber bekamen wir Rückenwind für unsere Arbeit und Motivation zugleich.
Jetzt erkennt man verstärkt, dass die Flüchtlingsursachen für die Flucht vor Ort bekämpft werden müssen, stehen auf der Agenda Bildung, Ausbildung, Gesundheitsfürsorge, Verbesserung der hygienischen Verhältnisse und Bekämpfung der Armut.
Tun wir dies in ganz, ganz bescheidenem Maß als Verein nicht schon seit nahezu 20 Jahren? So müssen wir Ihnen in erster Linie danken, dass Sie uns in hohem Maße Vertrauen schenkten.

Was geschah seit unserem letzten Rundbrief? Unser 2.Vorsitzender Dr.Husunu weilte in den letzten Wochen in Togo und konnte unsere Arbeiten vorantreiben. Vom Innenministerium in Mainz bekamen wir die Zusage mit den Elektroarbeiten beginnen zu dürfen, obwohl erst 2016 die endgültige Überweisung von 5 000 Euro erfolgen kann. So haben wir nun im Ausbildungszentrum Starkstrom für die Schreinerei, weiterhin Strom für die SchneiderInnen und Maurer, die Elektriker und Friseusen. Bei den SchneiderInnen können nun auch erstmals elektrische Nähmaschinen eingesetzt werden neben den bewährten „alten“ Singer- und Pfaffnähmaschinen , die wir vor Jahren aus Deutschland nach Togo transportierten.

Zu den Unterkünften der Lehrlinge (Mädchen/ Buben) wurde ebenfalls Strom verlegt, ebenso zur Krankenstation und Bücherei. Insgesamt 10 000 Euro kosten uns diese Maßnahmen, 5 000 Euro Zuschuss miteingerechnet. – Die Elektrifizierung ist ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung unseres Zentrums und des Dorfes. Weiterhin bohrte man bei der Unterkunft der Mädchen einen Brunnen und fand in 33 m Tiefe eine hervorragende Wasserqualität. Allein diese Maßnahme kostete 5769 Euro.
Vor Ort musste sich Dr.Husunu oft sehr stark engagieren, damit die Arbeiten und die Kostenrechnung im Rahmen unserer Kapazitäten blieben.
Im Augenblick erfahren 75 Lehrlinge eine Ausbildung: 24 SchneiderInnen, 5 Schreiner, 26 Maurer, 5 Friseusen und 15 Elektriker.
Leider mussten wir uns vom bisherigen Leiter des Zentrums, der nur wenige Monate im Amt war, verabschieden. Er erlitt einen Schlaganfall. Wir stellten 300 Euro zur Verfügung, damit er lebensnotwendige Medikamente kaufen kann.
Neuer Leiter ist Komi Mawunyo, der in Frankreich studierte, lange Zeit in Israel lebte und, u.a. als Personalleiter in Togo arbeitete. l Im Ruhestand stellt er sich nochmals der Aufgabe im Zentrum.
Ein wunder Punkt, den ich aber dennoch ansprechen möchte, ist die Bezahlung unserer Ausbilder. Die 7 festangestellten Meister erhalten jeweils 61 Euro/ Monat, der Direktor 68 Euro/ Monat, ein zusätzlicher Lehrer wird vom Staat bezahlt. Hier müssen wir unbedingt ansetzen, auch was die erforderlichen Sozialversicherungsbeiträge betrifft. Ich schreibe Ihnen dies in aller Offenheit, weil wir schon immer sehr betroffen waren, was die Bezahlung betrifft. Wir sind aber ein kleiner Verein. Wie können wir aber die hochqualifizierten Männer und Frauen vor Ort halten, wenn 1 200 Euro/ Monat für jeden Flüchtling in Deutschland bereitgestellt werden müssen, (Quelle: „DIE RHEINPFALZ“, Nr.283/ 5.12.2015), ohne auch nur den guten Willen Deutschlands für die Kriegsflüchtlinge in irgendeiner Weise schmälern zu wollen.
Was geschah noch? Über den Verein wurde ein Ausbildungsfond bereitgestellt. Die Ausbilder ermitteln einerseits die bedürftigen Lehrlinge, unterstützen aber auch mit diesem Geld leistungsstarke Lehrlinge, um Anreize zu schaffen. So konnten wieder für das laufende Jahr 20 Lehrlinge im Genuss dieses Fonds kommen. Der Ausbildungsbeitrag beträgt ca. 40 € pro Jahr in unserem Zentrum.
„Info-Com“, in Kpalimé, unser ehemaliges Internetzentrum, das nun in Eigenregie mit Erfolg geführt wird, erhielt 4 Computer und 3 Bildschirme, außerdem 200 Euro Zuschuss zum Kauf eines Kopierers.
Für 1 000 Euro wurde in Kpalimé Zement gekauft, um den Bau eines Jugendzentrums fertigzustellen-einer Begegnungsstätte für junge Togolesen (Christen und Moslems) im Moslems Viertel von Kpalime (Tsihinou).

An der Küste, in Aneho, bekam die Grundschule „St. Peter und Paul“, die wir bereits vor vielen Jahren unterstützt hatten, 2 058 Euro zur Elektrifizierung der Klassenräume, Verbesserung der Wasserversorgung und Bau einer Schutzmauer, da der Schulhof direkt an den Togosee grenzt. Koffi Hounkpati, den neuen Schulleiter, kennen wir bereits von Goumoukope, wo wir Toiletten, einen Kindergarten, sowie eine Forage während seiner Zeit dort bauten. 2016 erhält aber auch der Nachfolger dort einen Zuschuss für seine Schule, ebenfalls die Schule in Vogan und Kpota-Djoguime (Partnerschulen der GS Rülzheim und IGS Rheinzabern)
500 Euro erhielt die Grundschule in Gbalavé über die „Lina-Sommer- Grundschule“ in Jockgrim. Damit sollen Schulbücher, Lehrmaterial sowie Schulgelder für bedürftige Schüler bezahlt werden.
Ebenfalls wird noch im Dezember das Lepradorf in Akata Reis, Mais, Öl usw. für 500 Euro erhalten, ebenfalls 500 Euro die Schwestern von Mutter Teresa im Aids-Krankenhaus in Kpalimé, nachdem 1 000 Euro zweckbestimmt gespendet wurden und dies schon seit vielen Jahren.

Welche Aufgaben sind 2016 vorrangig?
- Abschluss der Elektrifizierung
- Bau einer Mittelschule. Hier wurde bereits der Antrag bei „Bengo“ in Bonn gestellt. Diese Einrichtung ist eine Vorprüfungsstelle des Entwicklungsministeriums (BMZ) in Berlin. Das Projekt kostet ungefähr 38 000 Euro, davon werden 75 % bezuschusst. Der Neubau ist uns ein Anliegen, da die Schülerinnen und Schüler in einem desolaten und heruntergekommenen Lehmbau unterrichtet werden.
-Das von uns mit Partnern erbaute Zentrum in einem Vorort von Lomé (Kindergarten, Schusterlernwerkstatt, Wasserversorgung) muss dringend den Kindergarten erweitern, da viele Kinder auf der Warteliste stehen. Hier hoffen wir zusammen mit den „Sternsingern“ aus Jockgrim und Hatzenbühl das Projekt meistern zu können, ca. 8 000 Euro.
Nur Sie, nur die einzelnen Institutionen, in diesem Jahr besonders die Sparkasse Germersheim-Kandel, Behörden u.v.m. ermöglichen unsere Arbeit. Wir sind allen zu Dank verpflichtet.
Zum Schluss erlaube ich mir Ihnen ein nachdenkenswertes Erlebnis, das der bekannte Tierfilmer Matthias Huber in Afrika hatte, wiederzugeben. Niemand verlässt seine Heimat grundlos, oft ist die Sehnsucht zum Bleiben groß..
„Ich hatte über viele Jahre mit einem Massaikrieger zu tun. Der wollte immer nach Europa kommen. Eines Abends am Lagerfeuer habe ich ihm erzählt, südlich von Deutschland, da gibt es ein Land, die Schweiz. Das ist noch reicher als Deutschland. Dort ist die dritthäufigste unnatürliche Todesursache Selbstmord. Der wusste gar nicht, was das ist. Ich erklärte ihm, dass sich da eben jemand selbst umbringt, weil er unglücklich ist. Da war er völlig entsetzt und hat nie wieder gefragt, ob er nach Europa kommen kann.“

Ihnen wünsche ich Gesundheit und Zufriedenheit, auch im Namen des Vorstandes, 2016!


Bleiben sie uns gewogen!
Ihr

1.Vorsitzender